Zukunft der Arbeit

Wind of Change

30. September 2017
Text: Anette Frisch

Der Volkswagen Konzern befindet sich mitten in einem kulturellen Wandel. Mehr Frauen sollen zukünftig in den Führungsgremien sitzen; agile Arbeitsmethoden für mehr Flexibilität sorgen; und mit dem Zukunftspakt Stellen nicht ab-, sondern umgebaut werden. Mit verschiedenen Maßnahmen unterstützt das Unternehmen seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, den Wandel mitzugestalten. Eine Auswahl.

Neue Wege ins Management

In der Ausbildung angehender Manager setzt das Personalmanagement künftig mehr auf Erfahrung. Kenntnisse aus Marken, Geschäftsbereichen und internationalen Standorten werden wichtiger – künstliche Auswahlsituationen werden durch on-the-job-Beurteilungen ersetzt. Zudem hängt die Berufung ins Management noch stärker als bisher von der Empfehlung mehrerer Kollegen ab. Wer meint, dass er als Nachwuchsmanager geeignet ist, kann sich künftig auch selbst nominieren. Den neuen Entwicklungsweg will die Marke Volkswagen Mitte 2018 einführen – und bis 2020 konzernweit umgesetzt haben.

Der Wandel muss gemeinsam mit den Beschäftigten gestaltet werden. Wir müssen ihre Probleme ernst nehmen, mit ihnen reden und soziale und gerechte Antworten geben. Arbeit muss auch in Zukunft sicher und human sein.
Michael Sommer, ehemaliger Vorsitzender des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) und Mitglied im Nachhaltigkeitsbeirat

Mehr Frauen im Männerverein

Es ist offensichtlich: Das Topmanagement von Volkswagen ist männlich. Doch nicht nur bei der Förderung weiblicher Führungskräfte hat der Konzern Nachholbedarf. Unterrepräsentiert sind auch Manager aus anderen Ländern und Kulturen. Die neue Diversity-Strategie zielt auf mehr Entscheiderinnen und größere Internationalität im Management.

Digitale Spielräume

Viele Abteilungen bei Volkswagen arbeiten agil und mit neuen Methoden. Beim Pair Programming etwa arbeiten Zweier-Teams an denselben Projektinhalten. Auch das Cross Pairing, die länderübergreifende Kollaboration, gehört dazu. Mit der Arbeitswelt wandeln sich auch die Raumkonzepte. Der neue IT-City am Standort Wolfsburg ist ein Beispiel dafür. Der campusartige Bürokomplex für rund 1.500 Beschäftigte ist auf agiles Arbeiten ausgerichtet.

Bündnis für die Zukunft

Mit dem „Zukunftpakt“ haben sich Gesamtbetriebsrat und Marke Volkswagen Pkw auf einen sozialverträglichen Stellenumbau geeinigt. Die Partner schließen betriebsbedingte Kündigungen aus, bauen das Angebot für Altersteilzeit aus und ziehen bei frei werdenden Stellen eine interne Besetzung vor. Außerdem entstehen in den Zukunftsbereichen Digitalisierung und E-Mobilität 9.000 neue Arbeitsplätze; davon wurden 700 bereits 2017 geschaffen. Über die digitale Stellenbörse können sich Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter über offene Stellen und verfügbare Weiterbildungen informieren. Für das Online-Tool haben sich nach dessen Start im Juni innerhalb von zwei Monaten mehr als 20.000 Beschäftigte registriert.

Die innere Haltung

Aus persönlicher Überzeugung das Richtige tun, im Zweifel Situationen hinterfragen und darüber sprechen – das bedeutet für Volkswagen Integrität. Im Rahmen des Integritätsprogramms engagieren sich derzeit 152 Beschäftigte aus allen Bereichen dafür, ein gemeinsames Verständnis von Integrität zu schaffen. In ihren Teams sind sie erste Ansprechpartner, organisieren Info-Veranstaltungen und vernetzen sich im Sounding Board Programm.

Audiobänke
Hören Sie mit!
Besucherinnen und Besucher können auf Bänken Platz nehmen und Gesprächen über fünf kontroverse Themen zuhören, die auch den Volkswagen Konzern beschäftigen.

Austausch auf Augenhöhe

Um eine offene und werteorientierte Unternehmenskultur zu fördern, hat Volkswagen den „Kodex der Zusammenarbeit“ entwickelt. Er ist so etwas wie das gegenseitige Versprechen aller Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Konzern, sich auf Augenhöhe zu begegnen und Synergien zu schaffen – auch über eigene Marken- oder Standort-Interessen hinweg. Open-Talk-Veranstaltungen sollen zu einer neuen Kultur der Zusammenarbeit beitragen. Interne wie externe Experten diskutieren mit Mitarbeitern und Managern über kritische Themen – zum Beispiel, wie eine Kulturentwicklung nach der Krise möglich ist. Darüber hinaus lädt die Marke Volkswagen regelmäßig zum hierarchieübergreifenden „Kulturfrühstück“, an dem auch Vorstandsmitglieder teilnehmen. Im Mittelpunkt steht die Diskussion darüber, wie die Unternehmenswerte der Marke – gemeinsam, mutig, kundennah, effizient, achtsam und aufrichtig – gelebt werden. Dabei geht es beispielsweise um den Mut zum eigenverantwortlichen Handeln oder wie der Dialog untereinander gestärkt werden kann. Und unter dem Titel „Dialog Kaskade Kultur“ beschäftigen sich die Bereiche und Abteilungen in kleinen Gruppen mit ihrer Führungskraft damit, wie sie ihre Zusammenarbeit verbessern können.

Krise und Kulturwandel
Klartext, bitte!
Der Volkswagen Konzern, so die derzeit gängige These, sei ein typisches Unternehmen der deutschen Automobilbranche: hierarchisch, autoritär,...