Lieferkette

Lack: Glimmer und die Arbeit in Brancheninitiativen

Was Lippenstiften einen ganz besonderen Glanz verleiht und auch in Autolacken zum Einsatz kommt, lagert auf und unter der Erde: Mica, auch Glimmer genannt.

Abbau von Glimmer

Glimmer ist ein Mineral, das gemahlen in Lacken zum Einsatz kommt – es verleiht ihnen einen feinen Schimmer. Im Nordwesten Indiens, in den Bundesstaaten Jharkhand und Bihar, lassen Mica-Splitter ganze Hügel schimmern. Darunter, im Erdreich, befinden sich meist größere Glimmer-Brocken. Ganze Dörfer leben in Jharkand und Bihar vom Abbau. Gut ein Viertel des weltweit verwendeten Glimmers stammt von hier: Etwa 125.000 Tonnen Glimmer bauen die Menschen in diesen Regionen ab – Jahr für Jahr.

Auf dem Glimmer-Markt

Auf den Märkten von Jharkhand – zum Beispiel in der legendären indischen Minenstadt Jhumri Telaiya – schneiden meist alte Männer die Glimmer-Schichten mit Spezialscheren aus den Gesteinsbrocken und füllen sie in Säcke ab, die sie in den Hinterzimmern der Händler aufstapeln. Zwischenhändler verschiffen das Material zu ihren Kunden in Europa – Kosmetikhersteller, Chemieunternehmen, Lackproduzenten. Je nach Qualität kosten Glimmerplatten oder -pulver mehrere hundert Euro pro Tonne.

Verarbeitung in Lacken

Bevor der Glimmer in Autolacken – oder auch in Kosmetikprodukten – zum Einsatz kommt, werden die vorher abgebauten Glimmerplatten fein gemahlen. Die Partikel sind nur wenige Mikrometer groß. Mica lässt Farben schimmern und glänzen. Doch die Pigmente haben noch viele weitere positive Eigenschaften: Lacke mit Glimmer-Pigmenten bieten den lackierten Oberflächen besseren Schutz vor Sonne, Hitze, Kälte und Nässe.

Herausforderung und Lösungsansatz

Herausforderung

Kinder in den Minen
In einigen indischen Glimmer-Minen schürfen auch Kinder das Gestein – mit einfachen Meißeln und Hämmern oder mit bloßer Hand. Viele Glimmer-Minen sind zudem eher Gruben oder primitive Stollen, die leicht einstürzen können. Die Lieferketten für Mica sind verzweigt und intransparent. Kaum ein Händler kontrollierte bis 2016, wo das Glimmergestein überhaupt herkam.

Lösung

Ein Auge auf die Arbeit
Als die Menschenrechtsorganisation Terre des Hommes 2016 öffentlich machte, was sich in vielen Minen abspielt, beendeten einige Zulieferer von Volkswagen die Zusammenarbeit mit mehreren Unternehmen, die Glimmer unklarer Herkunft verkauften. Anfang 2016 gründeten die wichtigsten Unternehmen in der Mica-Branche aus der Chemie-, Kosmetik- und Lackindustrie die „Responsible Mica Initiative“. Innerhalb von fünf Jahren will die Initiative sicherstellen, dass es keine Kinderarbeit mehr in der Mica-Lieferkette gibt. Um das zu erreichen, will sie ein Kontrollsystem einführen, mit dem sich die Herkunft von jedem Gramm Glimmer lückenlos nachverfolgen lässt. Und sie will Minen zertifizieren, damit Kinderarbeit ausgeschlossen werden kann. Dabei arbeitet die Initiative mit den Dorfgemeinschaften ebenso zusammen wie mit der indischen Regierung.

Mehr zu diesem Thema: Die „Responsible Mica Initiative

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